Mytemättelistein, Riedertal; Kt. Uri

Das Riedertal ist vor allem durch seine Kapelle als Wallfahrtsort bekannt. Weiter hinten im Tal, in einer idyllischen Lichtung mit saftiger Bergwiese ist die freistehende und über 60m hohe Felsensäule zu finden. Sehr merkwürdig ist die Tatsache, dass sie dem Hochalpenkalk und nicht wie die umliegenden Felsen der Schieferformation angehören. Die phallische Säule galt auch als Chindlistein. - Juni 2003

Ein braver Geissbub trieb jeden Morgen die Ziegen von Bürglen hoch ins Riedertal. Nie, auch nicht an Sonn- und Feiertagen, besuchte er die Kirche, obwohl er ein frommes Büblein war. Endlich b`schickte ihn der Pfarrer und fragte ihn, warum er gar nie zur heiligen Messe komme. Er gab zur Auskunft, er wohne jeden Tag einer Messe bei. - "Ja, wo den?" - "Drinnen im Riedertal zu äusserst in den Talbergen bei einem grossen Stein; da singen gar schön die Engel, und einer von ihnen liest die Messe." - Eines Tages ging auch der Pfarrer mit ihm zu dem Stein. Der Knabe kniete da nieder, faltete andächtig die Hände und betete. Dann fragte er den Geistlichen ob er es jetzt sehe. Dieser verneinte. - "Jä, und d`Ängel, g`heered-er die äu nitt?" - Auch da musste der Pfarrer nein sagen. Aber er glaubte dem Knaben. Bald nachher fanden sie nahe beim Stein das Bild der Schmerzhaften Mutter und bauten eine Kapelle.