St. Wendelin Kapelle, Sarmenstorf; Kt. Aargau
Ein riesiger Erratiker ist aussen an der
Kapelle schon gut sichtbar. Er scheint in die Mauer zu verschwinden. In der Kapelle
überhängt er einen Sarkophag von 1658. Darin ruhen, so weiss die Legende, die Gebeine
von zwei Angelsachsen. Die Legende besagt: In
der Pfarrkirche Sarmenstorf erinnert ein von zwei Figuren flankiertes Epitaph an
die beiden Angelsachsen, deren Sarg bis 1856 an dieser Stelle gestanden hatte.
Die sel. Angelsachsen, wie sie im Volksmund und auch schon in frühesten Urkunden
genannt werden, sollen drei Pilger gewesen sein: Ritter Kaspar von Brunnaschwyl,
Graf Erhard von Sax, Herzog in Mixen und deren Knecht, die von einer Wallfahrt
nach Einsiedeln kommend in Boswil zu einer Hochzeit geladen wurden. Weil sie der
Braut einen «Guldin Pfennig» schenkten, hielten sie einige Wegelagerer für sehr
begütert, lauerten ihnen bei Büelisacker auf und ermordeten sie. Nach der
Legende sollen sie ihre abgeschlagenen Häupter aufgenommen haben und
weitergewandert sein, der Knecht nach Boswil, die beiden adeligen Pilger nach
Sarmenstorf. Am folgenden Tag fand man sie vor der Kirche liegen und bestattete
sie. Nach der Überlieferung «wollten sye da nit bliben und am andern Tag fand
mans wieder vor der Kilchen. Da vergrub mans in der Kilchen, da sye noch heuth
bey Tag ruhwen und rastendt in Gottes Namen». Die Legende weiss auch zu berichten, dass die beiden Pilger auf ihrem Gang
nach Sarmenstorf - von einem Gewitter überrascht - bei dem in die
St.Wendelinskapelle einbezogenen erratischen Block Schutz suchten. Der Stein
soll über die beiden hinweggewachsen sein und sie auf diese Weise vor dem
Unwetter geschützt haben. Schon in Urkunden des 16. Jahrhunderts wird jener
Findling daher als «Engelsechser stein» bezeichnet. Die sel. Angelsachsen wurden
während Jahrhunderten hoch verehrt und die beiden gekreuzten Pilgerstäbe im
Gemeindewappen von Sarmenstorf erinnern noch heute an sie. Ihre Gebeine wurden
1988 nach einem wechselvollen Geschick im neuen Opferaltar der Kirche
beigesetzt. Freiämter Sagen erzählt und bearbeitet von Hans Koch
Ganz in der Nähe im Zigiwald sind steinzeitliche Gräber .
