"Füllitritt", Triesenberg, Fürstentum Liechtenstein

In ganz alten Zeiten war die Grenze zwischen Triesen und Triesenberg im Mattelti-Wald. Hier war der Baumwuchs ganz dicht, und man konnte einander leicht beim Holzen hintergehen. Nun kamen die Berger und die Triesner in Grenzstreit, und schliesslich wandten sie sich an den Landvogt und brachten den Fall vor. Dem aber gefiel der Wald gar nicht schlecht, und er nahm den beiden Gemeinden den Wald weg. Er machte nicht nur kurzen Prozess, sondern bedankte sich auch noch höhnisch, indem er sprach: "Ich nehme euch den Zankapfel weg, ihr könnt also in Frieden heimgehen. Die Sache ist erledigt." Die Parteien gingen aber nicht in Frieden, sondern in Zorn nach Hause. Nach seinem Tode aber musste der Landvogt für seine Schandtat büssen und in dem Walde geistern, den er geraubt hatte. Ein Mann sah ihn einmal in der Nacht, wie er auf einem feurigen Schimmel an der alten Grenze auf- und abritt, immer den Weg des erschrockenen Nachtgängers kreuzend. Auf einmal aber trat der feurige Huf des Schimmels auf einen Stein, so stark, dass das Zeichen des Hufes eingedrückt blieb. Davon kommt der Name "Füllitritt", und man kann den Stein noch heute im Walde sehen.

Otto Seger: Sagen aus Liechtenstein