Der Giant's Causeway; Grafschaft Antrim / Nordirland

Der Giant's Causeway hat seit Jahrhunderten die Neugierde der Reisenden erregt. Er besteht aus Tausenden von seltsamen symmetrischen Basaltsäulen, die zwischen Port Granny und Port Noffer ins Meer hinausragen. Die Brandung hat dieses niedrige Vorgebirge in drei sehr verschiedenartige Teile zerschnitten: Grand, Middle und Little Causeway. Der Legende nach war es der irische Riese Finn MacCool, der den ganzen Causeway gebaut hat, um so trocknen Fußes über die See nach Schottland hinüberwandern zu können. Ähnliche Säulen kann man auch in der Fingalshöhle auf der Insel Staffa sehen. Generationen von Fremdenführern haben die überlieferte Erzählung phantasievoll ausgeschmückt, so daß es heute schwierig ist, neuzeitliche Erdichtung von uralter Volkssage zu trennen. In Wirklichkeit ist der Causcway das Produkt vulkanischer Tätigkeit, die vor vielen Millionen von Jahren das Relief Irlands, Schottlands, Islands und Grönlands verwandelte. Im engeren Sinne bezieht sich der Name Giant's Causeway nur auf eine einzige Küstenfelsbildung, aber die ganze Strecke von Runkerry im Western bis Dunseverick im Osten ist unter dein Namen `Causeway Headlands' bekannt.

  • Die Basalte

Im Tertiär, vor etwa sechzig Millionen Jahren, fand in Grönland, Island, den Färöern, in Westschottland und Nordostirland ausgedehnte vulkanische Tätigkeit statt. Die Antrim-Hochebene, zu welcher der Causeway gehört, ist das größte verbliebene Fragment in den Britischen Inseln. In diesem Gebiet kam es nicht zu heftigen Eruptionen von Laven, denn vulkanische Asche und Explosionszeichen sind äußerst selten. Statt dessen ergossen sie sich durch Spalten und Schlote im Grund wie dünflüssiges Öl, ihre Temperatur betrug etwa 1000°C und sie breiteten sich auf den weißen Kreideformationen aus und erstarrten zu hartem Basalt. Die Geologen gruppieren die Basalte in drei deutlich verschiedene Arten: Untere, Mittlere und Obere; jede dieser ist das Resultat einer Anzahl verschiedener Lavaströme. Die Unteren und die Oberen Basalte haben dieselbe chemische Zusammensetzung; die Mittleren Basalte enthalten mehr Kieselerde und weniger Olivin. Im Causeway fehlen die Oberen Basalte, aber man findet sie weiter landeinwärts.

  • Die Säulen

Die am besten ausgebildeten Säulen findet man in den ersten und den zweiten Strömen der mittleren Basalte; sie haben eine Maximaldicke von etwa 28 m im oberen Teil der Causeway­Kliffe zwischen Yortnaboc und Portmoon. Jedoch, wie der Beschauer bald erkennen wird, sind die Säulen dieser Ströme nicht gleichmäßig dick. Nur im unteren Teil jeden Stromes sind sie regelmäßig und gut ausgebildet, die mettleren und die oberen Teile haben dünne, unregelmäßige Säulen. Die Scheidelinie zwischen den regelmäßigen und den weniger regelmäßigen Säulen ist jäh und messerscharf. Diese Folge ist wahrscheinlich das Resultat verschiedener Abkühlungsgeschwindigkeiten mit den entsprechenden Kontraktion innerhalb der Ströme, eine Schrumpfung, die Brüche oder Gelenke erzeugt. Die Brüche erfolgen in senkrechter Richtung. In den unteren Teilen eines Stromes ist das Abkühlen am langsamsten und die Spannung am grössten, so dass die Säulen deutlich und regelmäßig werden. Im oberen Teil des Stromes geschieht gerade das Gegenteil. Es ist wichtig, sich vor Augen zu halten daß die Säulenbildung immer im rechten Winkel zur Abkühlungsoberfläche stattfindet.

Die mechanischen Vorgänge der Säulen­bildung sind noch nicht vollständig erforscht; theoretisch sollten alle Säulen beim Abkühlen eine sechseckige Form annehmen, da eine homogene Masse, wie z.B. die Mittellava, sich gleichmäßig zusammenziehen und ein regelmäßiges, vielseitiges Fugennetz bilden sollte. Jedoch, obwohl die Mehrheit der 37000 Säulen des Meeresspiegel-Niveaus im Causeway-Gebiet sechseckig sind, gibt es auch eine große Zahl von fünfeckigen; bei einer Zählung kam man sogar auf 30%. Es gibt auch vier-, sieben- und achteckige Säulen sowie unvollkommene Exemplare von neun- und zehneckigen. Ungewöhnlich gestalteten Säulen wurden besondere Namen gegeben, so beispielsweise der achteckige `Keystone' des Grand Causeway. Zwei weitere Punkte sind in Bezug auf die Säulen erwähnenswert. Erstens, daß viele von ihnen durch waagrechte Kugelgelenke stark segmentiert sind, eine Folge der Abkühlung nach der Säulenbildung. Die "Orgel" ist ein gutes Beispiel dafür. Zweitens, daß nicht alle Säulen senkrecht sind: viele sind schief. Manche sind sogar fast waagrecht, wie z.B. am Kliff, gleich hinter dem Grand Causeway.

  • Lavaströme

Regelmäßige Säulen sind die besten Anzeiger der Zahl der Ströme in den Mittleren Basalten. Sie fallen gegen Südosten ab, so dass die ersten zwei Ströme sich unter dem Meer verlieren. Der dritte, vierte und fünfte Strom nehmen deren Stelle ein und fallen ihrerseits gegen das Meeresniveau ab. Hinter den Causeway­Klippen bilden sich kleine Steilabbrüche, die durch seichte Einsenkungen in Richtung Ost­West voneinander getrennt sind. Diese Einsenkungen beherbergen heute vereinzelt Bauernhöfe. Im Falle jeden Lavaaustritts bilden überhitzte Gase und Dämpfe unzählige Blasen. Die durch diese Blasen geformten Hohlräume füllten sich mit weißen und hellfarbenen Mineralien (Quarz, Kalkspat, Zeolithe), die an die Oberfläche der Laven aufstiegen. Sie bilden auf den Ergußdecken eine schlackige Oberfläche, die nur wenige Fuß dick, aber stellenweise in den Causeway­Klippen über 3 m mächtig ist.

  • Das Interbasalt Bett

Dieses Bett ist eines der eindrucksvollsten Merkmale der Causeway-Klippen; es trennt die Unteren und Mittleren Basalte. Der Cliff Weg folgt dem Bett durch viele der Causeway­Buchten denn, da es aus einer Steinart besteht, die weicher ist also Basalt, bildet es in den Kliffen eine natürliche Bank. Das Bett ist das Produkt der Verwitterung des obersten Stromes der Unteren Basalte, die während der vielleicht über eine Millon Jahre dauernden vulkanischen Ruheperiode vor sich ging, bevor der erste Strom der Mittellaven ausgepresst wurde. Im Gegensatz zu den Zeitabständen zwischen den Austrittsperioden der einzelnen Ströme der zwei Basalteserien, war dieser Zeitraum genügend lang, um eine tiefe Verwitterung zu ermöglichen. Die Anwesenheit fossiler Pflanzen deutet darauf hin, daß diese Oberfläche der Unteren Basalte mit Vegetation bedeckt war. Pflanzen und Boden zeigen, daß das Klima wärmer war also heute. Trotz seiner vielen verschiedenen Farbtöne wird das `Interbasalt Bett' als das `Rote Bett' bezeichnet. Seine roten und bräunlichen Bodenschichten werden Laterite genannt, sie sind reich an Aluminiumoxyd und an rotem Eisenoxyd. Diese Bodenart ist in Afrika, Indien und einigen Teilen der heutigen Tropen wohlbekannt. Andere Schichten haben eine hauptsächlich grau-grüne oder weiße Farbe und bilden Lithomarge, das mehr Kieselerde enthält als Laterit und deshalb heller ist. Kerne aus schwarzem Basalt, die `Riesenaugen' der Volksphantasie, können darin gesehen werden. Sie sind die Reste von `Zwiebelschalen' - order sphäroidischer Verwitterung, die für Basalte und ähnliche Felsarten spezifisch ist. Eine Haut schälte sich nach der anderen ab wie eine Zwiebel, aber harte Kerne können bleiben und die `Augen' bilden.

  • Deiche

Die Laven wurden durch zylindrische Scholtze an die Erdoberfläche gepresst und ragen jetzt als pfropfenförmige `vulkanische Hälse' heraus, wie z.B. Slemish in Mittel-Antrim; oder aber sie stiegen durch unzählige parallele Fissuren heraus, und diese geschmolzene Masse erstarrte schließlich als 'Deiche'. Ihr dunkler Felsen, llolerit gennant, ist gewöhnlich gegen Erosion widerstandsfähiger also die umliegenden Basalte. Die Deiche am Causeway bilden oft auffällige Merkmale die, niedrigen, dunklen Mauern gleich, das Küstenvorland durchkreuzen oder senkrecht die verschiedenen Lavaströme in den Kliffen durchschneiden. Der bemerkenswerteste dieser Deiche bildet den oberen Teil des Roveran Valley Head. Der Verlauf der Deiche ist charakteristisch Nord-West.

Giants Causeway; Nordirland

Giants Causeway im Jahr 1996

Giants Causeway nahe Bushmills!