Die Himmelsscheibe von Nebra (1600 v. Chr.)

Bei der Himmelsscheibe von Nebra handelt es sich um die älteste Abbildung des Kosmos auf der Welt! Im Jahre 2002 gelang es in einer für die Archäologie einmaligen Aktion in Basel einen der wichtigsten archäologischen Funde des vergangenen Jahrhunderts sicherzustellen. Der Fundort liegt in Sachsen-Anhalt (Deutschland). Er liegt in einer ringförmigen Wallanlage auf dem Mittelberg nahe der kleinen Gemeinde Wangen bei Nebra.

Die Himmelsscheibe von Nebra ist ein Schlüsselfund für die europäische Vorgeschichte, die Astronomiegeschichte sowie die frühe Religionsgeschichte. Die erste uns bekannte konkrete Himmelsdarstellung der Menschheitsgeschichte lässt mit ihren Beifunden weitreichende archäologische Beziehungen sowie einen ersten tiefen Einblick in die astronomischen Kenntnisse des vorgeschichtlichen Menschen zu. "Sonne, Mond und Sterne" sind für jederman einfach zu sehen. Die Himmelsscheibe ist das einzige Objekt aus so früher Zeit, das dermaßen auffällige Bezüge zur Himmelskunde aufweist, dass noch niemand eine nicht-astronomische Deutung vorgeschlagen hat. Das allein ist schon von eminenter Wichtigkeit. Unabhängig von Details der Interpretation belegt diese Bronzescheibe ein beträchtliches Interesse des vorzeitlichen Menschen am gestirnten Himmel. 32 kleine Goldblättchen werden als Sterne angesehen. Sieben davon stellen mit größter Wahrscheinlichkeit die Plejaden dar. Die Verteilung der übrigen 25 Sterne ist derart, dass der Gestalter der Scheibe alles vermieden hat, was auch nur im Geringsten an ein Sternbild erinnern kann. Umso deutlicher heben sich von diesem "sternenbildfreien Sternenhimmel" die Plejaden ab. Ganz sicher stellen "Sonne und Mondsichel" ebenfalls astronomische Objekte dar.
Der Fundort und das Bildinventar der Scheibe ergänzen sich gegenseitig. Die beiden seitlichen goldenen Randbögen (einer davon nicht erhalten) können problemlos als östliche und westliche Horizontbögen aufgefasst werden, die den Lauf der Sonnenaufgangs-und untergangspunkte über das Jahr darstellen. Deren Winkel entsprechen dem Sonnenlauf für die frühe Bronzezeit und dem Bereich der Breitengrade durch Sachsen-Anhalt.

 

Die Verbindung von Sakralort und Sonnenwende ist für das prähistorische Europa nicht ungewöhnlich. Man findet Parallelen von Schottland bis zur Ägäis. Die Datierung der Bronzescheibe in die Zeit um 1.6oo v. Chr. ergibt sich aus den mitgefundenen Bronzegegenständen: zwei Schwerter, ein Beil, ein Meißel und Reste zweier Armspiralen. Die Zusammengehörigkeit der Beifunde und der Scheibe ergibt sich über die Bodenanhaftungen. Bei den Untersuchungen sind bislang keinerlei Zweifel an der Zusammengehörigkeit der Funde aufgetreten. Ein weiterer wesentlicher Hinweis ist, dass die Kombination der Fundgegenstände in Fürstengräbern dieser Zeit geläufig ist.

Die Himmelsscheibe ist mittlerweile umstritten.