Durch Wasser und Eis, mit Kopf und Händen entstehen Schalen.

Der Bildhauer Roman Greub arbeitet seit 1984 mit Stein. In seinem Bildhauer- und Steinmetzbetrieb Werkraum Steinzeit in Hinterkappelen/BE stellt er das Spirituelle in der Natur und im Menschen auf dem wohl ältesten Ausdruckmittel des Menschen dar. Der Berner setzt sich seit Jahren intensiv mit Schalen, deren Entstehung und all seinen Aspekten auseinander. Seine Objekte entstanden für die Ausstellungen 100 Ruhesteine (St. Gallen, 20.8. - 5.9.2010) und Ruhesteine auf dem Gurten (Bern, 11.9 - 3.10.2010). Die Ausstellungen stehen unter dem Patronat Verband Schweizer Bildhauer-und Steinmetzmeister VSBS. In der Ausstellung in St. Gallen wird das 100 Jahre Jubiläum gefeiert.

    



Die von Roman Greub ausgestellten Findlinge stammen aus der Kiesgrube Bütschwil und aus dem Kandertal (Kt. Bern). Sie hatten bereits vor der Bearbeitung eine lange Reise hinter sich. Der grosse stammt höchstwahrscheinlich aus dem Wallis und wurden vor mehr als 10`000 Jahren vom Gletscher in Bütschwil abgelagert. Aus den Erratikern entstanden in exakter Arbeit wahre Ruhesteine mit Schalen und Schriftzeichen. Sie entstanden mit Wasser und Eis, Kopf und Händen. Durch Aneinanderfügen von Schalen und Zeichen entstanden Ornamente und Kurzmitteilungen. Durch Hand- und Denkarbeit entstanden zwei Schalensteine wie sie in dieser Art aus der Frühgeschichte stammen könnten. Durch nahezu meditative Arbeit hat Roman Greub die Steine in ihrer natürlichen Form belassen und mit Schalen und Schriftzeichen ergänzt.


Die Findlinge laden während den Ausstellungen zum Ruhen ein. Die Texte können zum Denken anregen.

Schalenstein I - (menhirartigen Malmkalk:)
Mensch will: Als ruhender Koloss lädt er die Menschen ein Innezuhalten und über den menschlichen Willen nachzudenken:
"bestimmenselbstmitteilenkurzlebenlangälterwerdenliebernie"

Schalenstein II - (herzförmiger Alpenkalk)
Überraschende Herzform! Das gewählte Thema verrät, was es bedeutet wenn sich das Herz im Ruhestand befindet.
"ruhestand"

    


Bereits in der Frühzeit haben Menschen Schalen in Steine getrieben. Beinahe auf der ganzen Welt sind diese Schalen variierend in Grösse, Tiefe und manchmal in Kombination mit Figuren als Erd- und Menschheitsgeschichte zu finden. Schalensteine sind meist Findlinge, erratische Blöcke welche natürlich oder künstlich entstandene Schalen von unterschiedlicher Grösse aufweisen. Gänzlich unbeachtet findet man dieses Kulturgut bei uns in Wäldern, auf freiem Feld, bei Passübergängen oder bei ehemaligen Siedlungen. Um es noch schwieriger zu machen ergeben Anordnung, Form und Anzahl der Schalen überhaupt kein einheitliches Bild. Sinn und Nutzung sind immer noch Gegenstand heftiger Diskussionen. Da dieses Gebiet einen enormen Erklärungs- und Interpretationsspielraum offen lässt, haben sich Experten oft bewusst nicht die Finger verbrannt. So stammen fast alle Theorien und Literarischen Abhandlungen von Autodidakten und Laien. Schalensteine werden oft praktische, kultische und astronomische Bedeutung zugeordnet. Was die Menschen veranlasste, in mühsamer Arbeit, diese Steine zu bearbeiten bleibt aber weiterhin ein Rätsel.

Bilder: Roman Greub und Daniel Reichmuth

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