Steine in der Bibel

Die Aufrichtung von Steinen als Erinnerung, als Denkmal eines Ereignisses besonderer Gottesoffenbarung und als Altar ist im Buche Moses bezeugt: «Also stand Jakob des Morgens auf und nahm den Stein, den er unter sein Haupt gelegt, und richtete ihn zu einem Zeichen auf und goss Öl darauf - und dieser Stein, den ich zum Zeichen aufgerichtet, soll Haus Gottes genannt werden; und von allem, was du mir gibst, will ich dir den Zehnten opfern» [Gn 28, 18 und 22]. Und als Jakob mit Laban den Bund einging, da setzte er dafür ein Denkmal: «So komm denn, und laß uns ein Bündnis machen, daß ein Zeugnis sei zwischen mir und dir. Da nahm Jakob einen Stein und richtete ihn zum Denkmal auf und sprach zu seinen Brüdern: Bringet Steine her! Und sie sammelten Steine und machten einen Haufen und aßen darauf. Diesen nannte Laban Haufen des Zeugen und Jakob Haufen des Zeugnisses, jeder nach der eigentümlichen Weise seiner Sprache - also schwur Jakob bei der Furcht seines Vaters Isaak - und opferte auf dem Berge und rief seine Brüder zum Mahle, und sie aßen und blieben daselbst» [Gn 31, 45 usw.].

Beim Durchzug der Kinder Israel durch den Jordan verordnete Gott dem Josue zum Denkmal des geschehenen Wunders: «Wähle aus zwölf Männer, je einen von jeglichem Stamme, und gebiete ihnen, dass sie mitten aus dem Rinnsale des Jordan, wo die Füße der Priester standen, zwölf der härtesten Steine nehmen [für jeden Stamm einen] - und wenn eure Söhne euch morgen fragen und sagen: «Was bedeuten diese Steine?», so sollt ihr ihnen antworten: Das Wasser des Jordan wich vor der Bundeslade des Herrn zurück, da sie hindurchging; darum wurden diese Steine zum Denkmal gesetzt für die Söhne Israels auf immer» [Jos 4, 1-8]. Als Josue in seiner letzten Volksversammlung das Gesetz mit Mahnungen vortrug, heißt es wieder: «Und er nahm einen sehr großen Stein und stellte ihn auf unter der Eiche, die im Heiligtum des Herrn stand, und er sprach zum ganzen Volke: Siehe, dieser Stein soll euch zum Zeugnisse sein, denn er hat gehört alle Worte des Herrn, die er zu euch geredet hat» [Jos 24., 26-27]. «Und wenn ihr hinüberziehet über den Jordan, so sollet ihr die Steine, von denen ich euch gebiete, auf dem Berge Hebal errichten und sie mit Kalk glatt machen - und du sollst dem Herrn, deinem Gott, einen Altar daselbst bauen von Steinen, die kein Eisen berührt hat, von rauhen und unbehauenen Steinen, und sollst darauf Brandopfer dem Herrn deinem Gott darbringen» [Dt 27, 4-6].

Bei Leviticus steht die Verordnung: «Noch sollt ihr Säulen aufrichten, noch Denksteine setzen in eurem Lande, sie anzubeten.»

Beachten wir bei allen diesen Texten, dass sich folgendes Bild aus der Bibel ergibt. Es werden große, sehr harte Steine aufgerichtet als Denkmäler gewisser Ereignisse, im gleichen Sinne werden Steinhaufen aufgetürmt, es werden Steine, unbehauene, in rohem Zustande, ohne dass Eisens sie berührte, verwendet und als Altäre aufgerichtet. Darauf werden Brand- und Blutopfer dargebracht, das Volk nimmt am Mahle teil, und auf geglätteten Steinen werden die Gesetze eingehauen. In gleicher Weise errichteten auch die Heiden Steine zu Erinnerungsdenkmälern und als Altäre; aber nun rückt die Bibel von ihnen weg, zieht den Trennungsstrich, indem sie verbietet, daß man Steinsäulen und Riesensteine anbete..., was also bei den Heiden Sitte war, sonst wäre kein Verbot erlassen worden und nicht ausdrücklich die Zerstörung derjenigen Steine angeordnet worden, die angebetet wurden [Dt 12, 2-3; Nm 33, 52; Ex 24].

Jesus mit Saint Germain

- Saint Germain und Jesus -

Das Christentum hatte, wie zahlreiche Konzilsverordnungen zeigen, den gleichen Kampf fortzusetzen. Das Konzil von Arles verurteilt die Steinanbeter und das Konzil von Toledo jene, die Steine verehren. Auch der Kirchenvater Hieronymus (331-420), der große Kenner der klassischen und orientalischen Literatur, der in Aquileja, Trier, Ägypten und Palästina sich aufgehalten hatte, eifert in seinem Kommentar zum Evangelium des heiligen Matthäus gegen diejenigen, «welche den Schöpfer nicht kennen und Steine anbeten».

Die Stellung der Bibel zum Sinn des aufgerichteten Steines und der Kampf der Kirchenkonzilien und Kirchenschriftsteller gegen die Verehrung der Steine und der überwältigende Eindruck der versteinerten Armee von Carnac mögen jene Stimmung wachrufen, die nötig ist, um den Unmöglichkeiten, den scheinbaren Lächerlichkeiten und Unheimlichkeiten des Aberglaubens wie Spuren zu folgen, die uns ein Bild der Religion der Volksstämme prähistorischer Zeiten geben. Im Grunde genommen entdecken wir hier ein gewaltiges Ringen um die Jenseitsideologie und um den Sinn des menschlichen Lebens. Der Stein, der infolge der Anziehungskraft der Erde so fest an der Erde haftet und, wenn von ihr losgelöst, mit Riesensätzen und unwiderstehlicher Kraft die gleiche Lage sich wieder ertrotzt, wird von diesen Menschen gerade dadurch als besonderes Geheimnis betont, dass ihre Sagen vom Wandertrieb und vom verborgenen Leben der Steine sich bis auf den heutigen Tag erhalten haben.