Sie besteht aus zwei ineinander greifenden Zyklen: Einer
umfasst 260 Tage und stellt eine Überkragung von 20 Tagesnamen und den Zahlen 1-13
dar. Unter den Maya begann die 260-Tage-Zählung (manchmal
unter der Ersatzbezeichnung »tzolkin« bekannt) mit dem Tag 1 Imix, darauf
folgte 2 Ik, 3 Akbal, 4 Kan usw. bis 13 Ben; der folgende Tag hiess Ix,
besass aber wieder den Koeffizienten 1 Es folgte 2 Men usw. Der
letzte Tag des Zyklus war dann 13 Ahau. Darauf begann man wieder mit 1 Imix.
Wie diese Periode entstanden ist, bleibt ein Rätsel; ihr Gebrauch ist
jedoch für uns kein Geheimnis. Jeder Tag hatte seine besonderen Vorzeichen und
Beziehungen, und der unerbittliche Lauf der zwanzig Tage wirkte wie eine
dauernd laufende Prophezeiungsmaschinerie, die die Geschicke der Maya und
aller Völker Mexikos lenkte. Unter der Obhut von Kalenderpriestern hat sie
sich bei einigen isolierten Bevölkerungsgruppen im Maya-Hochland und in
Süd-Mexiko bis auf den heutigen Tag erhalten. Die 260-Tage-Zählung wird von
einem angenäherten Jahr von 365 Tagen überlagert. Angenähert heisst es, weil
das wirkliche Sonnenjahr einen Vierteltag länger ist. Wir schieben alle
vier Jahre einen Schalttag ein, um unseren Kalender dem Sonnenlauf
anzugleichen. Die Maya zogen diesen Umstand nicht in Betracht. Ihr
»Angenähertes Jahr« bestand aus 18 Monaten mit jeweils 20 Tagen und einem
viel gefürchteten Intervall von fünf Unglückstagen am Jahresende.
Das neue
Jahr der Maya begann mit 1 Pop (Pop = Monatsname), der nächste Tag war dann
2 Pop etc. Der letzte Tag des Monats trug jedoch nicht den
Koeffizienten 20, sondern ein Zeichen, das das Einsetzen des folgenden
Monats anzeigte. Dies entsprach der Auffassung der Maya, dass sich der
Einfluss einer bestimmten Zeitspanne schon etwas vor ihrem Beginn bemerkbar
macht und noch eine Weile nach ihrem Ende andauert.
Daraus folgt, dass ein bestimmter Tag in der 260-Tage-Zählung, etwa 1 Kan, auch einen Stellenwert
im »Angenäherten Jahr« hat, zum Beispiel 1 Pop. Ein Tag mit der Benennung 1
Kan 1 Pop konnte erst nach Ablauf von 52 »Angenäherten
Jahren« (18980 Tagen) wiederkehren.
Diesen 52-Jahres-Zyklus nennt man den
»Runden Kalender«, und die Völker des mexikanischen Hochlandes verwendeten
ihn als einzige Zeitrechnung. Er hat natürlich seine Nachteile, wenn über
Ereignisse aus Zeitspannen berichtet werden soll, die länger als 52 Jahre sind.
Obwohl man den »Long Count« gewöhnlich für ein Charakteristikum der
Maya-Kultur hält, war er offenbar in der Klassischen Zeit und auch in
älterer Zeit im Tiefland Mesoamerikas weit verbreitet. Allerdings wurde er
von den Maya des Zentralgebiets zu höchster Vollkommenheit entwickelt. Der
»Long Count« besteht wiederum aus der Verzahnung mehrerer Zyklen, aber die
Zyklen sind so gross, dass, anders als bei der »Calendar Round«, jedes
Ereignis in historischer Zeit ohne Mehrdeutigkeit fixiert werden kann. Statt
des »Angenäherten Jahres« benutzen die Maya und andere Völker den »tun«,
eine Periode von 36o Tagen, als Basis für den »Long Count«. Die »Long
Count«-Zyklen sind (1 kin = 1 Tag):
20 kin = 1 uinal = 20 Tage
18 uinal = 1 tun = 360 Tage
20 tun = 1 katun = 7200 Tage
20 katun = 1 baktun = 144000 Tage
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»Long Count« Daten, die die Maya auf ihren Denkmälern verzeichneten,
bestehen aus den oben genannten Zyklen, die von oben nach unten in
abnehmender Grösse verzeichnet sind. Jedem Zyklus ist ein Koeffizient
beigegeben, und wenn man die Tage in allen diesen Zyklen addiert, erhält
man die Zahl der Tage, die seit dem Ende des letzten Grosszyklus
verflossen sind, einer Periode von 13 Baktun, die an einem Tage »4 Ahau 8
Cumku« endete.
So müsste ein »Long Count«-Datum, das normalerweise als 9.
10. 19. 5. (2) »10 Chuen 4 Cumku« notiert wird, folgendermassen
aufgeschlüsselt werden:
9 baktum = 1296000 Tage
10 baktum = 72000 Tage
19 tun = 6840 Tage
5 uinal = 100 Tage
11 kin = 11 Tage
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Das
ergibt 1374951
Tage seit dem
Ende des letzten Grosszyklus und erreicht die »Runden Kalender«
Position 10 Chuen 4 Cumku. Auch über die Koeffizienten selbst ist
einiges zu sagen. Die Maya wie auch einige andere Gruppen des Tieflandes
und die Mixteken in Oaxaca hatten ein sehr einfaches Ziffernsystem mit nur
drei Zahlsymbolen: einen Punkt mit dem Wert 1, einen Balken für 5 und eine
stilisierte Muschel für 0. Zahlen bis 4 wurden nur durch Punkte
ausgedrückt, 6 bestand aus
einem Balken mit Punkt darüber und 10 aus zwei Balken. 19, der höchste
Koeffizient, der beim Kalender in Gebrauch war, wurde durch 4 Punkte über 3 Balken
ausgedrückt.
Man ist sich im allgemeinen darüber einig, dass der »Long Count« lange
nach der »Runden Kalender« entwickelt worden sein muss, aber man weiss
nicht, wieviele Jahrhunderte oder Jahrtausende später. Wie dem auch sei,
die ältesten »Long Count« Daten fallen in den Baktun 7 und erscheinen auf
Monumenten, die ausserhalb des Maya-Gebietes liegen. Wir können sicher sein, dass der Maya
Kalender seine endgültige Form im ersten Jahrhundert v. Chr. schon
ziemlich erreicht hatte, und zwar bei Völkern, die sich damals unter
starkem olmekischen Einfluss befanden und vielleicht noch nicht einmal
Maya waren. Von dort aus verbreiteten sich Schrift und Kalender entlang
der pazifischen Küste Guatemalas und ins Maya-Hochland hinein und
erreichten schliesslich die aufkommenden Staaten in den Wäldern des Peten.
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