Wikinger und Hörnerhelme

Wenn einer sich als Wikinger verkleiden will, setzt er sich einen Helm mit Kuhhörnern auf. So erscheint der martialische Kopfschutz heutzutage überall auf Festen, bei Wikinger-Revivals und in Fussballstadien, wenn die Mannschaft eines skandinavischen Landes um Meisterehren spielt. Dass dieser Brauch auch schon von früheren Geschlechtern geübt wurde, zeigt ein Foto von 1869, auf dem Damen und Herren der Stokholmer Gesellschaft zu sehen sind, die sich für einen Kostümball in Schale geworfen haben - gerüstet mit Schildern und Speeren, auf den Köpfen die unvermeidlichen Hörnerhelme. Dem Ganzen liegt ein populärer Irrtum zugrunde. Die wenigsten Wikinger trugen überhaupt Helme, aus Kostengründen mussten sich die meisten mit einer Lederkappe behelfen, und wer einen Helm besass, der hätte nicht daran gedacht, diesen mit Hörnern zu versehen. Ein Helm muss so gebaut sein, dass Schläge an ihm abgleiten, und diese Funktion konnte ein Hörnerhelm just nicht erfüllen, sein Träger wäre damit obendrein im Kampfgetümmel oder in der Takelage seines Schiffes hängen geblieben. Es wurden denn auch in den Gräbern der Wikingerzeit unter allen Beigaben kein Hörnerhelm gefunden, literarische Erwähnungen fehlen gleichfalls. Einziges "Beweismittel", wenn man so will, sind Darstellungen aus der Vorwikingerzeit, die jedoch den Hörnerhelm (oder das was man dafür halten kann) als Zubehör von Priestern oder Magiern ausweisen. (Quelle: Reinhard Barth - Wikinger)