Runen sind uns vielfach auf Steinen überliefert, die zuweilen mit einem ergänzenden Bild geschmückt sein können. Meist sind die Texte sehr lakonisch und nennen fast nur den Namen der Person, zu deren Gedenken der jeweilige Stein aufgestellt wurde. Oft werden aber auch deren Verwandte oder große Taten wie etwa Fernfahrten oder der Bau einer Brücke als Leistung für die Gemeinschaft erwähnt. Manchmal nennt sich abschliessend auch der Runenmeister selbst, der die Zeichen im Auftrage eines anderen in den Stein ritzte oder meisselte.Das belegt, dass keineswegs jeder schreiben oder lesen konnte und eine solche Fähigkeit deshalb als besonders betonenswert galt. Typisch ist eine Inschrift von Turinge in Schweden: »Diese Brüder waren die besten Männer zu Hause und in der Ferne auf weiter Fahrt. Sie behandelten ihre Gefolgschaft gut. Thorstein fiel in der Schlacht im Osten Russlands, Heerführer, der Beste der Landleute.« |
Wie
viele Inschriften und bildliche Darstellungen bieten auch die Gräber tiefe
Einblicke in religiöse Bereiche, da sie vielfach noch nach alter Manier mit
reichen Beigaben als Ausstattung für das Jenseits versehen worden sind.
Auch Adam von Bremen ist das aufgefallen: »Wenn auch die Heiden nicht an die
Auferstehung des Fleisches glauben, so ist an ihren Bestattungen doch
bemerkenswert, dass sie nach Art der alten Römer Gräber und Leichenfeiern
ehrfürchtig achten. Übrigens hügeln sie eines Menschen Vermögen, seine
Waffen und was ihm sonst im Leben besonders teuer war, mit ihm ein.«
Oft enthalten die Gräber nur die am Körper getragene persönliche Habe der Verstorbenen, gelegentlich auch Speise und Trank als Wegzehrung für die Fahrt ins Jenseits. Es gibt aber auch viele Gräber mit prunkvollen Waffen, kostbaren Servicen, gefüllten Truhen und anderem mehr, die einen standesgemäßen Auftritt im Jenseits ermöglichen sollten. Häufig fand das wikingische Seefahrerleben in den Gräbern seinen Ausdruck, etwa durch Bestattungen in an Land gezogenen und überhügelten Booten. »Ingimund wurde in das Beiboot des Schiffes Renner gebettet und mit allen Ehren bestattet, wie es damals bei edlen Herren Sitte war«, berichtet eine nordische Saga. Manches Schiff der Wikingerzeit ist nur auf diese Weise erhalten geblieben.Die Verbundenheit mit der See bezeugen auch die großen Steinsetzungen in spitzovaler Schiffsform, die als Grabeinhegungen spätestens seit der Bronzezeit auftreten und in großer Zahl noch während der Wikingerzeit errichtet wurden. Offensichtlich wollte man im Jenseits mit entsprechendem Pomp erscheinen, um zu zeigen, wer man auf Erden war. |
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Der Götterhimmel war
reich besetzt. Staunend hat ihn Adam von Bremen beschrieben: »Dieses Volk
besitzt einen besonders angesehenen Tempel in Uppsala, nicht weit vom Ort
Sigtuna und von Birka entfernt. In diesem ganz aus Gold gefertigten Tempel
verehrt das Volk die Bilder dreier Götter; als mächtigster hat in der
Mitte des Raumes Thor seinen Thronsitz. Den Platz rechts und links von ihm
nehmen Wodan und Frikko ein. Man gibt ihnen folgende Deutung: Thor, so
heisst es, herrscht in der Luft; er gebietet Donner und Blitzen, Wind und
Regen, Sonnenschein und Frucht. Der zweite, Wodan, die Wut, führt Kriege
und verleiht dem Menschen Kraft gegen seine Feinde. Frikko, der dritte,
schenkt den Menschen Frieden und Lust.
« Sicher hat es viele Götterbilder und -statuen gegeben, doch sind sie fast alle während der christlichen Mission zerstört worden. Nur vereinzelt finden sie sich noch auf Runensteinen, die den Missionaren entgangen sind. Besonders eindrucksvoll müssen die genannten Bildnisse im Tempel von Alt-Uppsala gewesen sein, bei dem alle neun Jahre schaurige Kulthandlungen mit Menschenopfern stattgefunden haben: Auch diese haben Adam von Bremen sichtlich interessiert:»Die Opferfeier geht folgendermaßen vor sich: von jeder Art männlicher Lebewesen werden neun Stück dargebracht; mit ihrem Blute pflegt man die Götter zu versöhnen. Die Leiber werden in einem den Tempel umgebenden Haine aufgehängt. Dieser Hain ist den Heiden so heilig, dass man glaubt, jeder einzelne Baum darin habe durch Tod und Verwesung der Schlachtopfer göttliche Kraft gewonnen. Da hängen Hunde, Pferde und Menschen; ein Christ hat mir erzählt, er habe 72 solche Leichen ungeordnet nebeneinander hängen sehen. Im übrigen singt man bei solchen Opferfeiern vielerlei unanständige Lieder, die ich deshalb lieber verschweigen will.« |